Presseinformation

20.09.2012 | 441-DE

Berufsbekleidung für Lebensmittel verarbeitende Betriebe - Sicherheit und Komfort für den Träger

BÖNNIGHEIM (ri/dd) Berufskleidung erfüllt in der modernen Arbeitswelt unterschiedliche Funktionen. Neben der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und dem einheitlichen Auftreten gegenüber Kunden sorgt sie vor allem bei der Arbeit mit Lebensmitteln für hygienische Sicherheit. Neben der Produktsicherheit werden an Berufsbekleidung noch weitere Anforderungen gestellt. Die Kleidung muss dem Träger genügend Komfort bieten, damit die Arbeit ohne Beeinträchtigungen geleistet werden kann, sie muss den Träger aber auch vor möglichen Risiken schützen.

Tragekomfort ist objektiv messbar

Gerade in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben sind die Arbeitsräume oftmals gekühlt, um die Frische der Produkte zu gewährleisten. In anderen Produktionsbereichen kommt es zu einer starken Wärmebelastung wie z.B. in Bäckereien oder auch zu großen Temperaturschwankungen durch den ständigen Wechsel zwischen Kühlhaus und Backautomaten. Die Arbeitsbedingungen werden dadurch erheblich beeinflusst und stellen damit weitere Anforderungen an die Berufskleidung.

Ist der physiologische Tragekomfort ungenügend, wird die Berufskleidung vom Träger als lästig oder unangenehm empfunden, worunter neben der Akzeptanz auch die physische und psychische Leistungsfähigkeit leidet. Außerdem wird der Stress am Arbeitsplatz sowie die Gefahr von Gesundheitsschäden durch übermäßige physiologische Belastung erhöht und falsches Trageverhalten beeinträchtigt die Funktion der Kleidungsstücke als Schutz vor hygienischen Beeinträchtigungen. Mit dem physiologische Tragekomfort ist die Fähigkeit eines Kleidungsstückes gemeint, die physiologischen Vorgänge im Körper, und hier besonders die Temperaturregelung in Abhängigkeit vom Umgebungsklima und der Tätigkeit, zu unterstützen.

Tragekomfortnote

An den Hohenstein Instituten in Bönnigheim hat man in den vergangenen Jahrzehnten objektive Bewertungsmethoden für die verschiedenen Aspekte des Tragekomforts entwickelt. Die Ergebnisse der Untersuchungen fließen in die Tragekomfortnote ein, die von 1 für „sehr gut“ bis 6 für „ungenügend“ reicht.

Hygiene ist im Umgang mit Lebensmitteln das A und O

Mindestanforderungen an den Tragekomfort beinhaltet die DIN Norm 10524 für „Arbeitsbekleidung in Lebensmittelbetrieben“. In ihr werden die Hygieneanforderungen bezüglich Auswahl, Nutzung und Wiederaufbereitung verbindlich definiert und damit eine entscheidende Lücke im betrieblichen HACCP-Konzept geschlossen.

Basis ist die Hygienerisikoeinstufung der unterschiedlichen Tätigkeiten innerhalb eines Betriebes. Für drei Risikoklassen werden unterschiedliche Anforderungen an die Kleidung definiert.

So muss der Oberstoff über eine ausreichende Barrierewirkung gegenüber Keimen verfügen. Zudem müssen die Stoffe über eine ausreichende Farbechtheit verfügen und die Anforderungen an leasinggerechte Berufskleidung zum Beispiel im Hinblick auf das Selbstglättungsverhalten, die Maßbeständigkeit und das Pillingverhalten erfüllen. Die Tragekomfortnote sollte jeweils mindestens 3 (= befriedigend) betragen.Auch für die Konfektion, d. h. den Schnitt und die Verarbeitung, sind Mindestanforderungen definiert worden, damit eine negative Beeinflussung der Lebensmittel ausgeschlossen werden kann. Je nach Hygienerisiko sollten nur Kleidungsstücke mit Innentaschen (Zugang auf der Innenseite des Kleidungsstückes) verwendet werden. Unverschließbare, aufgesetzte Taschen sind nicht für die Berufskleidung in den Risikoklassen 2 und 3 geeignet, da dort verwahrte Gegenstände herausfallen und in den Produktionsprozess geraten können. Das Oberteil sollte durch eine verdeckte Knopfleiste vorne verschließbar und der Kragen vorzugsweise hochgeschlossen sein. Allerdings darf er auch nicht zu eng am Hals anliegen, da sonst der Luftaustausch zu sehr beeinträchtigt wird. Mäntel sollten mindestens bis zum Knie reichen, Kasacks mindestens über die Tascheneingriffe der Hose.

In Bereichen, in denen unverpackte Lebensmittel bearbeitet werden, müssen Kopfbedeckungen getragen werden, welche die Haare weitgehend bedecken. Durch entsprechende Hauben oder Schiffchen aus engmaschigem Material wird die Freisetzung von Haaren vermieden, welche die Lebensmittel verunreinigen könnten. Haarnetze sind wegen der geringen Barrierewirkung nicht als Kopfbedeckung in solchen Bereichen geeignet. Wenn nicht auf Einwegmaterialien zurückgegriffen wird, müssen auch die Kopfbedeckungen wasch- und desinfizierbar sein.

Dem sicheren Schutz der Lebensmittel bei Hautverletzungen dienen Handschuhe. Da selbst kleinste, nicht sichtbare Verletzungen ein Gefahrenpotential darstellen, müssen alle Mitarbeiter im Bereich der Lebensmittelherstellung und –Weiterverarbeitung flüssigkeitsdichte Handschuhe mit ausreichender Barrierewirkung tragen. Sofern die Handschuhe wieder verwendet werden, müssen sie ebenfalls gereinigt und desinfiziert werden.

Die Schuhe müssen den Anforderungen der Berufsgenossenschaft entsprechen und auf jeden Fall über trittsichere und rutschfeste Sohlen verfügen.

Schürzen dienen der Bedeckung von Kleidungsbereichen, die besonders häufig und leicht beschmutzt werden. Die Anforderungen an die verarbeiteten Materialien, die Konfektion und die Wiederaufbereitung in der gewerblichen Wäscherei entsprechen denen der übrigen Kleidung.

Sachgemäße Wiederaufbereitung

Selbstverständlich muss ein Kleidungsstück die hygienischen Anforderungen über die gesamte Nutzungsdauer hinweg erfüllen können. Deshalb soll die Kleidung unter den Bedingungen einer gewerblichen Wäscherei behandelbar sein, d. h. waschbar, desinfizierbar und für die Verarbeitung mit dem Finisher geeignet. Von entscheidender Bedeutung für die Hygiene ist die Arbeitsqualität der Wäscherei. Betriebe welche das RAL-Gütezeichen 992/3 für Wäsche aus Lebensmittelbetrieben führen dürfen, erfüllen die notwendigen hygienischen Anforderungen. Diese Mitgliedsbetriebe der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege e.V. (www.waeschereien.de) unterwerfen sich den strengen Kontrollen, die der Vergabe des Gütezeichen zugrunde liegen und gleichzeitig die Vorgaben des Hygiene-Managementsystems RABC der DIN EN 14065 voll abdecken. Das RAL-Gütezeichen stellt heute den Stand der Technik für sachgemäße Wiederaufbereitung von Wäsche aus Lebensmittelbetrieben dar. Alle Mitgliedsbetriebe haben ein Hygiene-Managementsystem installiert mit regelmäßigen Eigenkontrollen des Betriebes sowie textiltechnologische, mikrobiologische und hygienetechnische Kontrollen aller hygienerelevanten Stellen im Betrieb von unabhängiger Stelle.

Berufsbekleidung, dient nicht nur dem Schutz der verarbeiteten Lebensmittel sondern auch dem Schutz der Arbeiter. Daher muss bei der Auswahl der Bekleidung darauf geachtet werden, dass Ausstattungen, wie antimikrobielle Wirksamkeit keine Auswirkung auf den Träger hat. Ebenfalls sollte die Berufsbekleidung auf Schadstoffe geprüft werden. Sind die Textilien auf Schadstoffen nach OEKO-TEX® überprüft, können die Arbeitgeber sicher sein, dass sich keine schädlichen Substanzen aus der Kleidung lösen können.

Diese Vorgaben werden bereits heute an Berufsbekleidung gestellt. Die Entwicklung von Berufskleidung wird aber immer weiter geführt. An den Hohenstein Instituten wird z.B. täglich an der Forschung und Entwicklung innovativer Textilien für vielfältige Einsatzgebiete gearbeitet. Einige dieser Forschungsprojekte könnten in Zukunft auch Anwendung im Bereich von Arbeitsund Berufsbekleidung finden.

Im Rahmen eines AiF-Forschungsprojektes haben die Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Kooperation mit dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung und dem Sächsischen Textilforschungsinstitut an der Technischen Universität Chemnitz leasingtaugliche und antimikrobielle Arbeitskleidung entwickelt. Die Arbeitskleidung auf Basis von Celluloseregeneratsfasern wurde im Forschungsprojekt auf Eigenschaften wie Schutzfunktion, hohe mechanische Haltbarkeit, lange Lebensdauer und leichte Pflegbarkeit sowie auf gute physiologische Funktion der Kleidung untersucht und optimiert.

In Kooperation mit der Zwickauer Kammgarn GmbH und der Helmut Peterseim Strickwaren GmbH in Mühlhausen haben die Forscher der Hohenstein Institute eine innovative Garnkonstruktion für Maschenwaren entwickelt. Das neuartige Hybridgarn HP2G gewährleistet eine hohe Wärmeisolation bei gleichzeitig gutem Schweißtransport. Gerade bei körperlicher Arbeit in gekühlten Räumen hat diese Eigenschaft großen Einfluss auf den Tragekomfort des Trägers.

Neben der Möglichkeit Celluloseregeneratsfasern antimikriobiell auszustatten und ihre Leasingeignung und Tragekomfort zu verbessern, haben die Hohenstein Institute in einem gemeinsamen ZIM-Forschungsprojekt mit Kehlheim Fibres ein hydrophiles Vlies entwickelt. Ziel des Forschungsprojektes ist die Verbesserung des Feuchtemanagements bereits existierender Wärme- und Kälteschutzbekleidung. Das neuartige Vlies transportiert als Zwischenschicht in der Kälteschutzkleidung den Schweiß effektiver und schneller vom Körper weg. Insbesondere beim Wechsel zwischen kalten und warmen Räumen sorgt der schnelle Abtransport von Schweiß für höheren Tragekomfort.

Kontakte:
Hohenstein Institute und
Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege e. V.

Schloss Hohenstein
74357 Bönnigheim
www.hohenstein.de
www.waeschereien.de
Telefon 07143 / 271 724
info@hohenstein.de
info@waeschereien.de

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